Obamania hält an. Meldungen und Artikel, die distanziert, objektiv und journalistisch wirken sollen, sind auf der ersten und zweiten Seite zu lesen. Man muss etwas genauer hingucken, um die Übertreibung, Euphorie, Nähe und Subjektivität herauszulesen. Im Artikel von Andrian Kreye auf der zweiten Seite der Süddeutschen mit dem Titel Noch einmal mit Gefühl lesen wir beispielsweise Folgendes: "So wird Obamas Sieg aber auch zu einem derart emotionalen Ereignis, das selbst die Massen in Hochburgen des Antiamerikanismus wie Indonesien oder Deutschland zu kollektiven Gefühlsausbrüchen hinreißt." Ist das der Witz des Tages? Ich habe mich zumindest schlapp gelacht. Seit wann gilt Deutschland als eine "antiamerikanische Hochburg" oder überhaupt als antiamerikanisch? Ist der Autor so euphorisch, dass er nicht mehr weiß, was er schreibt? Oder ist er so ein eingefleischter Philoamerikanist, dass er jegliche Unzufriedenheit oder Kritik der Menschen in Deutschland als antiamerikanische Propaganda einstuft? Herr Kreye, haben Sie überhaupt eine Ahnung, was Antiamerikanismus ist und welche Länder von der CIA, dem FBI und dem State Department als antiamerikanisch und gefährlich für amerikanische BürgerInnen eingestuft sind? Da ich mir nicht vorstellen kann, dass auf der zweiten Seite der Süddeutschen so etwas Unwahres, nicht Recherchiertes stehen kann, kann es nur heißen: Wer die USA kritisiert ist ein Antiamerikanist (und ab Obama umso mehr). Bei der Vorstellung ist mir das Lachen vergangen.
Da höre ich lieber Musik und zwar von einer meiner Lieblinge aus den USA und überhaupt: Nancy Sinatra, mit dem Klassiker von Lee Hazlewood aus dem Jahre 1966: These Boots Are Made For Walking.
