23.02.2015

Urlaub in Athen

Bild Athen 2008, Φωτό Αθήνα 2008

Urlaub in Athen
von Dinos Christianopulos, 1963

Erzählung

Er entschied sich, die Hälfte seines Urlaubs in Athen zu verbringen. Nicht weil er sich in Athen im Juli so erholen würde, wie er es nötig hatte. Sondern ganz einfach, weil er dort einige von den Leuten wiedersehen würde, die irgendwann sein Leben erfüllt hatten.

Er buchte eine Ein-Stern-Pension in der Nähe der Kathedrale. Er kannte diese Pension aus den Zeiten seines Militärdienstes. Es gefiel ihm dort wegen der familiären Atmosphäre. Nach fünf Stufen hörte man schon das Singen der Kanarienvögel und roch schwer im Magen liegendes orientalisches Essen. Die Pensionsbesitzerin kam aus dem Zimmer mit einer Katze um ihren Hals, sagte mit dem Flair einer alten Puffmutter – „Also aus Saloniki, ha?“, und streichelte ihn am Nacken. „Ich habe auch da mal gelebt, eine schöne Stadt. Aber auch hier wird es dir gut gehen“. Sie merkte schnell, dass er etwas schüchtern war, und schickte ihn in den dritten Stock, da wo sie meistens ruhigen Menschen ein Zimmer gab: In den anderen zwei Etagen gingen es etwas zügelloser zu.
Er legte sich so wie er war, angezogen, aufs Bett und ging erneut seine Träume durch: Wie er all seine sonstigen Bekannten in Athen vermeiden würde, in welcher Reihenfolge und wem er seine Besuche abstatten und mit wem von den drei er einen Ausflug auf die Insel Poros machen würde. Er nahm sein Notizbuch heraus, schaute sich noch mal die Anschriften an und bejubelte bereits beim Anblick der Straßennamen, die Orte, in denen er nach drei Jahren seine Freundschaften erneuern würde.

Früh um elf Uhr nahm er den Bus nach Chalandri. „Zum Gutshof Daskalopulos“, sagte er etwas scheu zu dem Schaffner. Er sah die Neubauten, Villen mit gepflegten Gärten. Er stieg in einem Ort mit großen Landgütern und Gemüsegärten aus. „Wie wird er mich wohl empfangen?“, fragte er sich in Rührung. „Werde ich vielleicht in einer Ecke des Spiegels unser Foto finden, das Foto vom Militärdienst, das wir Arm in Arm machten?“. Er erinnerte sich, dass Dimitris vorletztes Jahr nach Saloniki gekommen war und nach ihm gefragt hatte. Er war aber nicht da und Dimitris hatte ihm daher über seine Mutter ausrichten lassen, „sagen Sie ihm, dass Dimitris aus Chalandri hier war“ und seine Mutter hatte geantwortet, „Ach, bist du es, mein Kind, der auf dem gemeinsamen Foto während des Militärdienstes ist?“. Er wird wohl in einem dieser Gärten arbeiten  – und sofort verliebte er sich in diese Landschaft. „Gutshof Daskalopulos“, sah er ein Schild an einer Maschendrahttür. Zwei Seitenwege führten zu den Gärten, und ein Weg in der Mitte in ein kleines, gepflegtes, zweistöckiges Haus. „Was wollen Sie?“, fragte ihn misstrauisch ein fein gekleideter Mann, der nicht wie ein Aufseher aussah. „Ich würde gern Dimitris Loutraris sprechen. Wohnt er hier?“ „Und was wollen Sie von Dimitris Loutraris?“, fragte der fein gekleidete Mann und wiederholte den Vor- und Nachnamen in einem geradezu provokanten Ton. Es kam ihm in den Sinn, ihn zusammenzustauchen und zu gehen. „Wir sind Freunde vom Militärdienst“, antwortete er und die Hitze wurde ihm unerträglich. „Er ist nicht hier. Ich rufe seine Mutter“. Ein einfaches Mütterchen kam aus der Haustür heraus. „Frau Katinió“, rief er sie unaufgeregt eher kühl herbei. (Er muss der Chef gewesen sein). „Ach, mein Kind“, sagte die Frau herzlich, „unser Dimitris ist nicht mehr da, er ist vor zwei Monaten auf die Insel Chios gezogen. Komm doch 'rein, du wirst doch sicher Durst haben“. Er folgte ihr, ohne dem provokanten Herren noch einmal zu danken. Er fühlte sich gezwungen, verschiedene Geschichten vom Militärdienst zu erzählen: Wie er ihm in der Adjutantur aushalf, wie er ein Mal intervenierte, damit er nicht bestraft würde, wie er ihm irgendwann einmal seine amerikanischen Soldatenstiefel borgte. Natürlich gab es kein Foto am Spiegel zu sehen. Er fragte nach Fotos von Dimitris, aber er hatte sie mit nach Chios genommen. Er nahm eine Mastix1 entgegen und wünschte ihr alles Gute. Es gab gar nichts, womit er diesem Mütterchen beweisen könnte, wie enge und liebe Freunde er und ihr Sohn einmal gewesen waren. Als er ging, traf er wieder auf jenen Herren.
Es gab keinen Dimitris im Gutshof Daskalopulos.

Er brauchte einen ganzen Tag, um sich davon zu erholen. Er würde definitiv auf Poros mit Panajotis fahren. Eigentlich hatte er ohnehin keine Briefe mehr mit Dimitris seit einer gewissen Weile ausgetauscht. Mit Panajotis war das anders. Jedes Mal, wenn er auf dem Umschlag den Stempel des Ausbildungszentrums der schweren Infanterie sah, wusste er, dass sich darin ein zärtliches Wort verbarg.
Er nahm den Bus nach Chaidari um 4 Uhr am Nachmittag. Um diese Uhrzeit hatten die Offiziere Ausgang, und Panajotis würde ihn ungestört von den Blicken des Adjutanten empfangen können. Er würde ihn auf einen Spaziergang zum Botanischen Garten mitnehmen, dann ins Kino und am Abend nach Hause zum Übernachten. Am nächsten Tag, am Sonntag, in der Früh ein Ausflug nach Poros Farben des Saronischen Golfes, Attischer Zauber usw. Dann die müde Verabschiedung, der andere zurück in die Kaserne, er selbst nach Saloniki gutgelaunt und optimistisch, da die alte Bindung noch bestehen würde.
Viele Leute standen vor dem Tor: zwei-drei, die wahrscheinlich Dirnen waren, zwei andere Mädchen, eine alte Arvanitin mit Kopftuch und einem Korb an der Hand, Kinder die Zitronensäfte und gegrillte Maiskolben verkauften, Eiswagen mit Eis der Marke EVGA². Die Soldaten waren noch nicht herausgekommen, nur ein-zwei Unteroffiziere überquerten in jenem Moment das Tor.
Plötzlich schauderte es ihn: Panajotis mit einem Mädchen! Mit nagelneuen Klamotten, seiner Ausgangsuniform, mit den glänzenden goldenen Tressen eines Feldwebels im unbefristeten Dienst; und sie eher sympathisch, niedlich, mit einem koketten Gang. „Panajotis!“, rief er. Der andere drehte sich und war ganz überrascht. „Warum hast du mir nicht vorher Bescheid gegeben, dass du kommst?“, „Du hast Recht“, sagte er und streckte dem Mädchen seine Hand entgegen. Sie stellten sich dem Mädchen als zwei sehr enge Freunde aus Zeiten des  Militärdienstes vor. Sie liefen den Hang mit ihr hinunter, sie zwischen den Beiden. Jetzt wurden sie von einem Mädchen getrennt. Etwas schien in ihm zu zerbrechen. Natürlich wurde es nichts mit dem Botanischen Garten, auch nicht mit Poros. Panajotis taugte nur als Brieffreund.
Sie setzten sich in einer Konditorei in Ägaleo. Das Tortenstück schmeckte schrecklich. Plötzlich merkte er, wie sein Gürtel ihm zu eng wurde, und er wollte weinen oder fluchen. Aber nichts von beidem. Nur vergilbte Erinnerungen vom Militärdienst vor dem Mädchen, Worte, ein Versuch die Kluft, die sich zwischen ihnen aufgetan hatte, zu überbrücken – und das Mädchen lächelte und fummelte unverfroren an Panajotis herum. Dann schlugen sie ihm vor, mit ins Kino zu gehen. Aber er war bereits ein Nervenbündel; er wünschte ihnen ein schönes Wochenende und versprach, am Montag wieder vorbeizuschauen.
Er ging weg, gerade wie von einer Trauerfeier.

Am Sonntag blieb er auf dem Zimmer. Er ließ Parthenon und Karolos Koun ausfallen, aß in der Pension, und die Pensionsbesitzerin brachte ihm sogar ein Mal das Essen persönlich, um zu fragen: „Aber was für heftige Sorgen quälen dich, mein Junge?“
Er plante jetzt sorgfältig seinen letzten Ansturm: Jorgos aus Lepanto. Es verbanden sie keine gemeinsame Erlebnisse während des Militärdienstes, auch kein gemeinsames Foto Arm in Arm oder einen Briefwechsel. Das letzte Mal, das sie sich verabredet hatten, war er nicht erschienen und war sich sicher, dass Jorgos ihm das nicht verziehen hatte. Aber seine süße, jugendliche Stimme erklang immer noch mit der gleichen Intensität in seinen Ohren: „Falls du nach Athen kommen solltest, vergiss nicht nach Kässariani zu kommen“. Nur das; nicht etwa „du sollst unbedingt kommen“, auch nicht gerade ein Versprechen einer rührenden Gastfreundschaft. Er wusste nicht, warum dieses „vergiss nicht“ sehr herzlich in ihm nachhallte. Er musste also hin und ihm erklären, warum er letztes Mal nicht erschienen war.
Arionos 27, Kässarianí. Er traf ihn im Krämerladen seiner Familie, bei der Arbeit, in dem Moment als er Anschovis wog. „Du hast ja gerade noch gefehlt“, sagte ihm Jorgos, als er ihn sah, mit der rohen Ehrlichkeit und Intimität der Unterschicht. Er hat ihn auf den einzigen Stuhl gesetzt und hat weiter gearbeitet. Wie alt er bereits war, wie anders! Sein kindliches Gesicht war jetzt durch tiefe Falten gezeichnet, seine Augen waren männlich geworden.
Er nahm ihn mit nach Hause nach Feierabend. Sie setzten sich in sein Zimmer und sprachen leise, um seinen Onkel nicht zu stören, den Veteranen, der nebenan las. „Warum warst du damals nicht erschienen?“, fragte er abrechnend. Er war schockiert über seine Art. „Lass mich es dir erklären...“. „Was willst du mir erklären? Du hast mich ewig warten lassen“. „Was ist los?“, der Onkel kam plötzlich herein. „Wer ist der junge Mann und was will er?“ Seine Schläfen brannten. Jorgos stellte ihn eilig vor. „Ach so, er ist dieser Freund, der dir zu Ostern ein schönes Buch geschickt hat? Prima. Mit solchen Jungens solltest du befreundet sein, aber du hältst dich mittlerweile für einen tollen Hecht.“
Einige peinliche Minuten vergingen. Unterschwellige Strömungen zogen ihn weit weg von diesem Haus. Dieser Onkel, mit seinen ständigen Fragen nach dem griechischen Unabhängigkeitskrieg von 1821, war unerträglich. Aber auch Jorgos hatte einen Gesichtsausdruck, der ihn entmutigte. Nur sein Name war gleich geblieben, der Rest war bei ihm anders. Er war nicht mehr der unschuldige Junge aus Nafpaktos, der eine ganze Woche lang weinte, als er sich von seiner Mutter und Garten trennen musste. Was könnte der tolle Hecht aus Kässariani mit dem Jungen aus Lepanto gemeinsam haben? Und all das war in nur zwei Jahren geschehen.

Er verließ Athen ganz verbittert. Er packte seine Reisetasche und schaute sich noch ein Mal im Zimmer um, in dem er vier Nächte verbracht hatte. Kein Dimitris, kein Panajotis, kein Jorgos. Und, natürlich, auch kein Ausflug nach Poros. Nichts. Nur der Moment der Ankunft, als er mit der Kleidung sich hinlegte, um seine Vorfreude in Athen zu genießen.
„Kein Mädel, gell?“, fragte ihn die Pensionsbesitzerin vieldeutig und zwinkerte ihm zu. „Es ist meine Schuld. Ich hätte dir ein Zimmer im ersten Stock geben müssen, da hättest du dich richtig austoben können...“.

Übersetzung Eleni Andrianopulu, Januar 2015
Für meinen Freund De.

28.01.2015

Schlechte Verlierer

Photo Athen 2008, Εικόνα Αθήνα 2008
FAQs zur Griechenland-Wahl vom 27.01.15
Ein Freund fragte direkt nach der Wahl und ich antwortete.

1. Wen hast du gewählt?
  • Ich habe leider nicht wählen können, ich lag krank im Bett und eine Briefwahl gibt es nicht.
2. Das ist doch keine häufige Frage!
  • Bei den Griechen schon. Auch vor der Wahl fragen sich gegenseitig die Leute, wen man wählen wird. Bis vor einigen Jahren gab es in Griechenland eine Zwangswahl. Das heißt, man musste wählen, wenn man unentschuldigt (also nicht z.B. durch Krankheit) der Wahl fern geblieben war, wurde ein Ausreiseverbot über jemanden verhängt. In der Schule habe ich zusammen mit allen anderen gelernt, dass im Alten Athen, jeder Bürger Farbe bekennen musste, und dass diejenigen, die es nicht taten, Opportunisten und Verräter waren, die sich nach der Wahl dem Wahlsieger oder nach dem Bürgerkrieg dem Sieger anschlossen und wenn ich mich recht erinnere, sogar daher aus der Stadt gebannt wurden. Ein Bürger also, der nicht sein ihn als Bürger bestimmendes Recht ausübt, ist kein Bürger. Wahlabstinenz bedeutet traditionell daher eine Schädigung der Demokratie und wurde daher per Gesetz verboten. Darüber zu reden, wen man wählt, ist also ein Bekennen in nicht-Opportunismus, in die freie Wahlentscheidung, auch wenn man dann einer Minderheit, den Verlierern, angehört und es ist der Anfang der politischen Diskussion. Das Farbe Bekennen verstärkt jedoch auch eine Polarisierung oder sogar Spaltung der Gesellschaft, wie dies auch bei dieser Wahl der Fall war. Seit einigen Jahren hat die EU gemeint, dass die Zwangswahl nicht demokratisch sei und demnach wurde sie abgeschafft. Das hat die Griechen nicht sonderlich gestört.
3. Und wie ist es jetzt mit der Wahlbeteiligung?
  • Die Wahlbeteiligung sinkt seitdem von Wahl zu Wahl. Das erste Mal waren einige Demokraten schockiert. Jetzt haben sich die Leute dran gewöhnt. Dieses Mal lag sie bei einer Rekordtiefe von 36,13 Prozent.
4. Wer ist Syriza?
  • Die Frage wird jetzt nicht mehr gestellt, da die deutschen Medien seit einigen Jahren unisono beantworten: Linksradikale. Kaum jemand weiß weiter, wer Syriza ist, oder wofür die Syriza-Leute einstehen. Dies hat auch damit zu tun, dass die deutschen Medien keine gute Arbeit geleistet haben. Nicht nur in strengem Sinne journalistisch, sondern auch in ihrer Funktion als Mittler. Und da dies mein erlernter Beruf ist, ein paar Worte zur Übersetzung von Sprache und Kultur. Im Deutschen bedeutet linksradikal gleich linksextrem. Radikal ist jemand von extremen Ansichten. Im Griechischen bedeutet das Akronym Sy.Riz.A. wortwörtlich: Koalition der radikalen Linken. Radikal (Griechisch rizospastis: (mit seinen) Wurzeln brechend) im Griechischen bedeutet allerdings nicht extrem. Der Radikale ist derjenige der von Grund auf (vor allem) denkt. Linke Parteien werden traditionell progressiv und „radikal“ im griechischen Sinne bezeichnet, da sie mit alten Strukturen „brechen“ wollen, und die Dinge „komplett“, „von Grund auf“ überdenken möchten. Im Griechischen gibt es den Begriff rechtsradikal daher auch nicht, man spricht nur von einer Extremen Rechten. Richtig im deutschen Politjargon wäre daher, Syriza als ein progressives, linksalternatives Bündnis zu betiteln, noch akkurater als die gemäßigte, proeuropäische, linksalternative und grüne Partei Griechenlands. Die deutsche Bezeichung linksradikales Bündnis ist falsch, irreführend und tendenziös.
5. Proeuropäisch? Gemäßigt? Grün?
  • Ja. Der erste Stamm der Mitglieder waren abgespaltene Mitglieder der KKE, der Kommunistischen Partei Griechenlands, die vor der Wende nicht dem prosowietischen Kurs der KKE folgten und einen pro-europäischen schlugen. Dann kamen die Grünen dazu und allmählich weitere Linke, weitere ehemalige KKE, weitere Grüne, pro Asyl-Leute, Menschenrechtler, Immigranten, Gewerkschafter, Feministinnen, LGBT-Rechtler, Alternative im weiteren Sinne. Als letzte kamen in den Krisenjahren eine Menge ehemalige Pasok-Mitglieder, also Sozialdemokraten. Zum ersten Mal sah man in einer Wahlsiegerversammlung in Griechenland die Regenbogenfahne. Das ist ein Signal gegen den Faschismus und die Neonazis, das wahrgenommen wird. Ein erster Lichtblick.
6. Also eigentlich sollten sich auch die Grünen hier über den Wahlsieg freuen und nicht nur die Linke, oder?
  • Ja, so ist es. Und viele andere auch.
7. Und was soll jetzt diese Koalition „im Eiltempo“ mit den Rechtspopulisten? Ist das nicht eine „befremdliche Koalition“?
  • Die An.El. „Unabhängige Griechen“ sind ehemalige Nea Dimokratia Leute, die den Sparkurs, im Griechischen wird eher von Ausverkauf geredet, nicht folgen wollten. Sie sind allerdings höchstens genauso rechtspopulistisch wie die ehemalige Regierungspartei – deren Chef Samaras neulich im Wahlkampf sagte, Syriza könne doch nicht ernsthaft nach Charlie Hebdo behaupten, Migranten willkommen zu heißen – nur dass sie dezidiert der korrupten, unpopulären Regierung nicht folgen wollten. Dies haben sie sehr früh getan, es sind also keine Opportunisten. Im Eiltempo, wie wieder tendenziös von der Tagesschau/Heute berichtet wurde, wurde diese Koalition nicht geschmiedet. Wie in dem Beitrag der Tagesschau/Heute schon ein griechischer Bürger äußerte, war bereits im Wahlkampf klar und für jeden unüberhörbar geäußert worden, dass die Anel bereit waren, mit der Syriza zu koalieren und unter welchen Bedingungen. Ebenfalls unüberhörbar war, dass von den anderen Parteien, die ins Parlament eingezogen sind, keine andere Partei bereit war, mit Syriza zu koalieren. KEINE. Ja, ich weiß, hier wurde berichtet, dass To Potami, in Frage käme. Pustekuchen! To Potami flüsterte (so richtig gehört hatte es keiner, aber es wurde so berichtet) nach der Wahl sie wären vielleicht bereit zu koalieren, wenn Syriza die Wirtschaftspolitik der Vorgängerregierung fortsetzen würde, aber dann vielleicht doch nicht. Syriza hatte also nicht die Wahl, wie manche schreiben oder sagen, einen Koalitionspartner zu suchen und hat ausgerechnet die Anel gewählt. Es gab keine andere Wahl. Aber dennoch, ein schlechter Koalitionspartner sind die Anel nicht. Es ist also keine „befremdliche Koalition“ wie der Präsident des EU-Parlaments, ebenfalls entweder ignorant oder als schlechter Verlierer sagte, beides spricht nicht für ihn, die EU-Organe oder für die SPD. Ferner gab es keine geheimen Verhandlungen, wie die deutschen Medien berichteten, um diese Koalition zu diskreditieren, sogar direkt nachdem sie jenes Interview mit jenem griechischen Bürger zeigten, der das Gegenteil bestätigte. Eine beschämende Kommentierung seitens der deutschen Nachrichtensprecherin. (Übrigens ich hielte es für einen schlechten Witz als bei der Tagesschau am Wahlabend als erstes eine wahrscheinlich betrunkene, jedenfalls völlig erheiterte, blondierte Griechin, mit Cola-Light-Mischgetränk den Wahlsieg als erste von zwei Bürgern kommentieren sollte.) Die einzigen Bedingungen für eine Regierungsbeteiligung der Anel liegen hauptsächlich im Bereich der Verteidigungspolitik und sind nicht der Hauptschauplatz der Syriza-Anliegen. Darüber hinaus unterstützen die Anel voll und ganz das Hauptanliegen der Syriza nach einer Beendigung des Kaputtsparens und des Ausverkaufs bzw. ist es ihr Gründungsanliegen. Dafür wurde Syriza hauptsächlich gewählt und daher ist diese Koalition die beste, um viel in dem Bereich zu erreichen. Also das „Eiltempo“ war nur möglich, weil es bereits vorbereitet war, und das ist sicher kein Manko, sondern löblich. Es ist richtig gut, dass die Regierung sich gleich an die Arbeit macht, es gibt keine Zeit zu verlieren. Ein Lichtblick. Vielleicht aber ist es eher ein Zeichen von Schlechten Verlierern, wenn man enttäuscht ist, dass der Sieger gleich zur Sache geht und nicht Zeit durch noch ein paar Propaganda-Berichten und Worten von den Europäischen Konservativen gewonnen werden kann. Tsipras und seine Schnelligkeit hat sie überrascht und ihnen missfallen. Samaras selbst war nicht überrascht, er hat das Premierministerbüro komplett geräumt übergeben; er hat noch nicht einmal einen Bleistift sozusagen am Montag Nachmittag drin gelassen. Der Tresor war geöffnet und leer. Er hat auch nicht wie das Protokoll und die Höflichkeit gebührt, eine formelle Übergabe gemacht, er war am Montag einfach nicht mehr da. Ein eindeutig schlechter Verlierer.
8. Aber was ist mit allen anderen Anliegen von Syriza und Anel, „gab es denn überhaupt Koalitionsverhandlungen“?
  • Diese Frage seitens der Tagesschau/Heute soll suggerieren, dass bei den Griechen unseriös zugeht. Ich habe bereits bei der vorigen Frage dazu teils geantwortet. Noch ein paar Hintergründe dazu: Wie bereits über das griechische Wahlsystem erfahren, unterstützt das System Ein-Partei-Regierungen, Koalitionsregierungen sind eigentlich nicht vorgesehen und im Regelfall auch nicht gewollt. Es gab daher nur in absoluten Notsituationen Koalitionsregierungen und sie alle einte eins: Gefahr im Verzug. Ich hoffe, es ist allen klar, dass z.B. mehrere vorgezogene Wahlen, eine Spaltung der Gesellschaft, extreme Spannungen und wütende und mordende Nazis täglich auf den Straßen, eine äußerste Notsituation sind. Es ist begrüßenswert und auch den beiden Parteien hoch anzurechnen, dass sie bei diesen erneuten vorgezogenen Wahlen, schnell und klar sich bereits im Wahlkampf geeinigt haben, dass sie, wenn nötig, koalieren würden und der abgewählten und bis zu den Knochen korrupten Regierung nicht durch eine neue Koalition zum Weitermachen verhelfen. Denn das wäre die Alternative. Ein dritter Lichtblick.
9. Was hältst du von der Syriza-Regierung? Die Linken haben so viel im Wahlkampf versprochen, es kann nicht sein, dass die Griechen wirklich glauben, dass Syriza ihnen hilft. Die EU hat bereits gesagt, dass mit ihnen keinen Schuldenschnitt zu machen ist.
  • Manche werden sicher glauben, dass mit Tsipras der Messias kommt. Die Meisten jedoch hoffen, dass es jetzt etwas besser wird, dass der Untergang etwas angehalten wird. Die meisten sind pragmatisch und freuen sich auf kleine jedoch aufgrund des bisherigen Sumpfs bedeutende Lichtblicke. Die Stimmung im Land war mittlerweile katastrophal, überall Verelendung und Depression. Auch wenn es manchen nicht schlechter durch die Krise ging, war die Stimmung so erdrückend, dass auch sie depressive Verstimmungen zeigten. Diese Stimmung war auch ein Resultat der Ohnmacht und Angst, die die Menschen fühlten, dass sie nichts, auch nicht mit ihrer Stimme, mehr selbst bestimmen würden. Die Propaganda aus dem Ausland und Inland war erdrückend und weckte paranoide Ängste z.B. vor einer Diktatur. Der Wahlsieg von Syriza beendet diese katastrophale Rhetorik, die die Menschen demoralisierte, deprimierte und verängstigte.
    Der erste Tag nach dem Syriza-Wahlsieg war voller Lichtblicke, Signale gegen die Neonazis und für ein aufgeklärtes Griechenland, Signale, die tatsächlich etwas Hoffnung spenden: Tsipras leistete als allererster Premierminister seinen Eid nicht auf die Bibel. Nein, Syriza wird in diesen vier Jahren nicht die Trennung von Staat und Kirche vollziehen können, aber das Signal ist ein wichtiges, in einem Land, in dem niemand die Kirche kritisieren darf, die steuerfrei schaltet und waltet, deren mancher Bischöfe Faschisten und Nationalisten befeuert und Teile deren Klerus´ Hassbotschaften aussendet. In diesem Land unter der Regierung der Schwesterpartei der CDU, Nea Dimokratia, ist ein harmloser Satiriker im facebook, namens Alter Pastitsios in Anlehung auf den neuesten selig gesprochenen Mönch, den Alten Paisios, zu mehrere Monate Haft für seine Satire verurteilt worden.
    Tsipras legte als allererstes einen Blumenstrauß an das Denkmal für die von den Nazis erschossenen Kommunisten. Die griechischen Kommunisten waren diejenigen, die das Land gegen die Allianzmächte und die Achse zu 80 Prozent befreiten, allerdings gezwungen wurden zu kapitulieren, damit England eine Regierung von Kollaborateuren und Monarchisten einsetzen konnte. In der Geschichtsschreibung jener Regierung und der nachfolgenden Regierungen wurde die Leistung der Kommunisten nicht erwähnt oder geleugnet, der Faschismus, der anschließende Bürgerkrieg und auch alle andere Folgen sind bis heute trotz ihrer evidenten Auswirkungen auf die Gesellschaft nicht aufgearbeitet. Tsipras' Geste ist ein klares Signal gegen die Neonazis, die während der Krise aus diesem nicht historischen Bewusstsein Kapital schlugen.
    Tsipras sprach auch als erster Wahlsieger davon, dass der Sieg auch für die Auslandsgriechen insbesondere die jungen AkademikerInnen zu verstehen ist. Die Griechen im Ausland haben aus vielfältigen Gründen Griechenland den Rücken gekehrt, die meisten jedoch, weil es dort aus ökonomischen oder politischen Gründen unerträglich war. Das ist auch ein Signal an die Migranten, die so wie ich, seit Ewigkeiten von den „daheim“ gebliebenen angefeindet werden, nicht ihr Wahlrecht in oder nah an ihrem Wohnsitz ausüben dürfen und auch ein Signal an die Bürger in Griechenland, dass sie nicht nur mit ihrer Stimme für sich selbst sprechen, sondern auch für alle, die es nicht können oder durch Abstinenz ihrem Unmut oder Verzweiflung Ausdruck verleihen möchten. Und es ist auch wieder ein Signal gegen die, die argumentieren, dass wer das Land verlässt, sein Wahlrecht als nicht-Patriot verwirkt. Noch ein Lichtblick.
    Selbstverständlich ist ein einziger, erster Tag nicht ausschlaggebend für die nächsten vier Jahre, und Symbolpolitik reicht nicht aus, aber es ist der erste Tag seit langer Zeit, an dem die meisten Griechen, sich nicht für ihre Regierung schämen müssen.
10. Eine letzte Frage: Du sagst, dass der Syriza-Sieg ein wichtiges Signal gegen die Faschisten und Neonazis ist. Letztere sind jedoch drittstärkste Kraft im Parlament geworden.
  • Ja, aber mit weniger Stimmen als bei der letzten Wahl. Nur in zwei Wahlbezirken in Kavala und Rodopi in Nordgriechenland konnten sie mehr Wähler als bei den letzten Wahlen überzeugen. Jede verlorene Stimme der Neonazis, weckt die Hoffnung, dass auch deren Hirne noch für die Demokratie, Toleranz und die Menschlichkeit eventuell wieder zu gewinnen sind. Und dass ganz nach dem Wahlmotto von Syriza noch Hoffnung für Griechenland besteht.

28.10.2013

Was dieser Blog war...- Τί ήταν αυτό το μπλογκ...

Dieser Blog war bis 2009 eher ein Prüfungsblog: ein Instrument, um Schreiben zu üben, Gedanken und Vokabeln abzulegen, mich zu konzentrieren und ein wenig abzulenken und insgesamt meinen Prüfungsvorbereitungsfortschritt zu dokumentieren. Er hat sich dann in einen langen Winterschlaf gelegt und wird nicht mehr aktualisiert. Alle Daten also links und rechts sind bereits uralt.

Das Lied des Tages: Dr. John, Right Place Wrong Time aus dem Jahre 1973.

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 Αυτό το μπλογκ ήταν ένα μπλογκ εξετάσεων μέχρι το 2009: ένα όργανο για να εξασκώ το γράψιμο, αποθέτοντας σκέψεις και λέξεις, για να συγκεντρώνομαι και να αφαιρούμαι, και για να καταγράφω την πρόοδο μου. Έπεσε σε μακριά χειμέρια νάρκη και δεν το ανανεώνω πια. Τα στοιχεία αριστερά και δεξιά είναι παμπάλαια.

Το τραγούδι της ημέρας: Dr. John, Right Place Wrong Time (1973).





I 'v' been in the right place
But it must ´ve been the wrong time
I'd of said the right thing
But I must have used the wrong line
I 'v' been in the right trip
But I must have used the wrong car
My head was in a bad place
And I'm wondering what it's good for

I 'v' been the right place
But it must have been the wrong time
My head was in a bad place
But I'm having such a good time
I 'v' been running trying to get hung up in my mind
Got to give myself a little talking to this time

Just need a little brain salad surgery
Got to cure my insecurity
I 'v' been in the wrong place
But it must have been the right time
I 'v' been in the right place
But it must have been the wrong song
I 'v' been in the right vein
But it seems like the wrong arm
I 'v' been in the right world
But it seems wrong wrong wrong wrong wrong

Slipping, dodging, sneaking
Creeping, hiding out down the street
See me life shaking with every who I meet
Refried confusion is making itself clear
Wonder which way do I go to get on out of here

I 'v' been in the right place
But it must have been the wrong time
I'd have said the right thing
But I must have used the wrong line
I'd a took the right road
But I must have took a wrong turn
Would have made the right move
But I made it at the wrong time
I 'v' been on the right road
But I must have used the wrong car
My head was in a good place
And I wonder what it's bad for


Songtext: http://www.stlyrics.com/lyrics/sahara/rightplacewrongtime.htm Etwas von mir verbessert.

13.03.2012

Presseecho -- Tύπος -- Press

Hier kann man über mich und meine Arbeit in der Presse lesen (Zitate). Manches Alte finde ich nicht mehr, aber vielleicht ist es auch nicht mehr so wichtig

Tι έγραψε ο Τύπος για μένα και τη δουλειά μου (. Μερικά τα έχω χάσει, αλλά δεν πειράζει.

Some press information about me and my work (citations). No full list.

33.  Die Glocke



31. (2017).Wohnungen für internationale Forscher an der Uni Bielefeld gesucht. Tag24, 17.07.17.

30. Paßlick, H. (2017). Uni Bielefeld sucht Wohnraum für internationale Wissenschaftler.Neue Westfälische, 17.07.2017.
   
29. (2017).Schutz vor Verfolgung: Westfälische Hochschulen nehmen ausländische Forscherauf. Westfalen heute, 13.07.2017.

28. (2017). Uni hilft geflüchteten türkischen Wissenschaftlerinnen. Neue Westfälische, 12.07.2017. 
27. (2017).Another Two Turkish Academics Find Refuge at Bielefeld University. uni.news, 12.07.2017. 

26. (2017). Universität Bielefeld unterstützt geflohene Wissenschaftler. Westfalen-Blatt, 11.07.2017.
25. Sahlmen, A. (2017). Universität Bielefeld unterstützt geflüchtete Wissenschaftler. Neue Westfälische, 11.07.2017.
24. (2017). Zwei weitere türkische Wissenschaftlerinnen finden Zuflucht an der Universität Bielefeld. uni.aktuell, 11.07.2017.
23. Keser, S. (2017). Türkei: Eine akademische Freiheit gibt es nicht mehr. nds, die Zeitschrift der Bildungsgesellschaft 1/2017, p. 2-4.

Über meine Arbeit mit geflüchteten WissenschaftlerInnen an der Universität Bielefeld.

22. "Bielefelder Europäer -- Vielfalt leben", in: Bielefelder, 04.2017 

Ein Porträt von mir als Europäerin, die sich zur Vielfalt als Wert bekennt. 

21. "Universität Bielefeld tritt dem Scholars at Risk Network bei", in: uni.intern, 06.07.2016

Zum Beitritt an das weltweite Netzwerk, in dem ich die Universität Bielefeld vertrete.

20. "Bielefeld University joins Scholars at Risk Network", in: uni.news, 05.07.16

19. "Universität Bielefeld tritt dem Scholars at Risk Network bei", in: uni.aktuell, 30.06.2016

18. Thomas Güntter: "Einmalige Erhebung: Uni Bielefeld befragt Flüchtlinge zu ihrer Ausbildung", in: Neue Westfälische, 26.02.2016

17. "Uni fragt Flüchtlinge nach ihrer Bildung", in: Die Glocke, 26.02.2016

16. "Bundesweit erstmalige Erhebung an der Universität Bielefeld", in: uni.aktuell, 26.02.2016

15. "Neue Räume für das Welcome Centre", in: uni.aktuell, 15.07.2015.

Zum Umzug des Welcome Centre, an dem ich an der Universität Bielefeld arbeite.


14. Burgit Hörttrich: „Alles muss raus. Uni entrümpelt wegen Modernisierung. Studenten möbeln ihre Wohnungenauf“, in: Westfalen Blatt, 18.11.14, S. 5.

Zu meiner spontanen Unterstützung von internationalen DoktorandInnen bei der Wohnungseinrichtung.

Über das erste Treffen des International Spouse and Partner Network an der Uni Bielefeld, das ich organisiert habe.

12. Rebecca Struck: „Hilfe von A wie Abfall bis Z wie Zulassung“, in H1 Unimagazin 01/2013, S. 26.

Über die Services vor allem für Familien vom Welcome Centre der Universität Bielefeld, das ich leite. „Wenn man in einem neuen Land ankommt und direkt einen Ansprechpartner hat, ist das unbezahlbar“, sagt ein zufriedener Klient.

10. Marius Meyer: "Studieren im Ausland. Stipendien-Nepp am Schwarzen Brett", in: Süddeutsche, 10.07.2007.

Zu Betrügern von Studierenden und meine Arbeit im Fachschaftsrat Klassische Philologie/Romanistik an der Universität Leipzig.

9. Franziska Böhl: "Sauhaufen. Finanzreferentin verlässt den StuRa der Universität Leipzig", in student!, Mai 2007 .

Ein etwas unrecherchierter Beitrag der studentischen Presse über meinen Rücktritt als Finanzreferentin des StudentInnenRates der Universität Leipzig.

8. "Kurz gefasst", in Universitätsjournal 5/2006, S. 35.

Meldung über meine Wiederwahl als Finanzreferentin des StudentInnenRates der Universität Leipzig.

7. Karl-Heinz Heinemann: "Auf der Jagd nach Credit-Points. Durch den europaweiten Umbau des Studiums nach den Kriterien des Marktes wird die Universität immer mehr zu einem Fast-Food-Betrieb", in: der Freitag, 01.04.2005.

Zu meinem Engagement als studentische Gutachterin in Akkreditierungsverfahren und einem "europäischen Hochschulraum ohne Grenzen für Ideen, Wissenschaftler und Studierende".

6. Karl-Heinz Heinemann: "Welche Qualität meinen wir eigentlich? Diskussion über Nachfolgekonferenz in Bergen", in: Deutschlandfunk, 24.01.2005. 

Zu meinem Studium und Gutachtertätigkeit als Studentin in der Akkreditierung von Studiengängen nach dem neuen Studienmodell.


5. Daniel Schulz: "Ohne uns! StudentInnenRat tritt bundesweiten Dachverband nicht bei", in: student!, 24.06.2003.

Über das Scheitern des StudentInnenRats der Universität Leipzig im freien zusammenschluß der studentInnenschaften mitzumischen. "Das ist bedauerlich, denn viele bildungspolitische Entscheidungen werden inzwischen auf nationaler und europäischer Ebene getroffen. Deshalb kann man fast nur noch in einem großen Verband tatsächlich etwas bewegen", sagte ich damals.

4. Jochen Leffers: "Turbulenzen in Sachsen. Zurücktreten, bitte", in: Spiegel Online, 07.03.2003.

Die Demonstration der sächsischen Studierenden im Februar 2003. Als Sprecherin der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften forderte ich den Rücktritt des damaligen Ministers für Wissenschaft und Kunst, Matthias Rößler, der nicht nur den Dialog mit den Hochschulen und Studierendenschaften scheute, sondern auch eines Tages ohne Vorwarnung verkündete die Pauliner Kirche in Leipzig auf dem Unigelände am Augustusplatz wiederaufzubauen. Mein Zitat: "Wir sind Ihr Sturz"!

3. Matthias Weigel: "Gemischtes Doppel", in SZ Online, 07.01.2003

Diesen Artikel las ich mit dreizehn Jahre Verspätung: Ein Porträt über meinen super talentierten Kollegen. Da wird unsere Arbeit in der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften beschrieben, und wir als "Königspaar": Unbezahlbarer Quatschtitel, auch dreizehn Jahre später!

2. "Andrianopulu Sprecherin der sächsischen Studierenden", in: Universitätsjournal 1/2003, S. 24.

Zu meiner Wahl erklärte ich: "Schwerpunkt meiner Arbeit werden die Gespräche über die Hochschulfinanzierung, den geplanten "Hochschulkonsens" und die Entwicklung der Studentenwerke sein".

1. Volker Schulte: "Feierliche Immatrikulation des neuen Studentenjahrganges", in: Universitätsjournal 7/2002, S. 27.

Aus meinem Grußwort als Sprecherin des StudentInnenRates der Universität Leipzig an die Neuimmatrikulierten im Rahmen der feierlichen Immatrikulation im Gewandhaus in Leipzig: "Die Universität ist unser Zuhause. Jede unserer Taten verändert sie."
LinkLink

Bild Liosporos Café, Miaouli 24, Athen-Psirri, Λιόσπορος Μιαούλη 24, Αθήνα-Ψυρρή

31.10.2010

Hochschulzugang für ausländische BewerberInnen

Das Thema Hochschulzugang für ausländische BewerberInnen bleibt hochaktuell, wenn wir uns auch die aktuelle Integrationsdebatte vor Auge führen. Hier der Link zu meinem letztjährigen Artikel dazu. Manche Daten sind bereits veraltet, aber die Aussagen weniger.

Hier der Anfang des Artikels...

Ausländische Studierende zwischen Quote und Marginalisierung. Zum Rückgang der Internationalisierung der deutschen Universität.

›Internationalisierung‹ ist eines der zentralen Schlagworte der derzeitigen Hochschulreform. Dennoch nimmt der Anteil ausländischer Studierender in Deutschland derzeit ab. Dass dies kein Zufall sondern Ergebnis neuer Hürden und Gebühren ist zeigt Eleni Andrianopulu.

Ausländische Studierende stellen mit 11,9 Prozent einen nicht unerheblichen Teil der Studierenden in Deutschland.1 Nachdem die Anzahl der ausländischen Immatrikulierten zwischen 1981 und 2004 stetig angestiegen ist,2 folgte eine Stagnation zwischen 2004 und 2007. Seit 2008 gehen die absoluten Zahlen und der prozentuale Anteil erstmals zurück.3 Im Folgenden werden Daten der amtlichen Statistik vorgestellt. Durch diese soll eine Einführung in das Thema des Hochschulzugangs ausländischer Studierender erfolgen, sowie eine erste Ursachenanalyse ermöglicht werden.

In Deutschland gibt es 3944 Hochschulen und 1.996.062 StudentInnen, davon sind 236.934 AusländerInnen.5 In der Statistik vom Wintersemester 2007/2008 wird zwischen BildungsausländerInnen (177.852) und -inländerInnen (55.754) unterschieden.6 In diesen Zahlen sind alle immatrikulierten nichtdeutschen StaatsbürgerInnen erfasst, unabhängig davon ob sie in einem grundständigen, in einem weiterführenden oder in einem Promotionsstudiengang eingeschrieben sind. Die BildungsinländerInnen haben ihre Hochschulzugangsberechtigung (HZB) an einer deutschen Schule erworben oder eine Begabten- bzw. Eignungsprüfung (meist
Voraussetzung für die Zulassung an Musik-, Kunst- und Übersetzungsstudiengängen) an einer deutschen Hochschule bestanden. Das deutsche Abitur kann auch im Ausland an einer deutschen Schule erworben werden, die Mehrheit der BildungsinländerInnen ist jedoch in Deutschland zur Schule gegangen.

Rückgang der Anzahl von BildungsinländerInnen

Von Seiten der Hochschulen wird der Rückgang des Anteils der BildungsinländerInnen nicht als dramatisch empfunden, vor allem, weil keine Ursachenforschung betrieben wird. Als Erklärung wird schnell ein ›Versagen‹ der Integrationspolitik konstatiert, die außerhalb der Zuständigkeit der Hochschulen liege. Die Debatte wird dann meist nicht weiter vertieft; zu oft wird das selbstzensierende Argument des ›hochschulpolitischen Mandats‹ – also der Nichtzuständigkeit – seitens der AkteurInnen für eine Beendigung der Debatte eingeworfen. Ein erster Schritt, dem entgegen zu wirken und eine Diskussion anzukurbeln, ist die Bewusstmachung der Realität in den Hochschulen durch das Erheben und Veröffentlichen statistischer Daten über BildungsinländerInnen.

Der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD) tut dies neuerdings in seiner
jährlichen Veröffentlichung Wissenschaft weltoffen7.

Mehr zu lesen im Heft.

29.10.2010

Deutsch-griechische Beziehungen

Gestern zum 60. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs für Griechenland habe ich einen sehr interessanten Vortrag an der Uni Hamburg zu den deutsch-griechischen Beziehungen von Prof. Dr. Hagen Fleischer gehört. Dabei ging es um die deutsche Besatzung während des zweiten Weltkrieges und um die Folgen für das kollektive Gedächtnis und die deutsch-griechische Diplomatie, die gern das Themenkomplex 'Schuld und Reparation' ausgeklammert hat. Auch über die Kollaborateure und deren Nachfolger und dem noch nicht zurückgezahlten Kredit der Deutschen an die Griechen wurde geredet. Insgesamt einer der besten Vorträge, die ich seit langem gehört habe: sehr fundiert, sehr interessant, sehr kurzweilig, sehr lehrreich.

Ich empfehle zum Einstieg in die Thematik ein Interview, das ich bei Deutschlandradio gerade gelesen habe, als auch seinen neusten Artikel im Buch "Hellas verstehen" vom Böhlau Verlag. Bestellt es für eure Bibliothek.

Bild Hamburg 2008, Εικόνα Αμβούργο 2008