15.11.2008

Präpositionen und weitere Problemchen

Präpositionen und ihre Kniffligkeiten:

  • mit Dativ (und nicht mit Genitiv):

fern, mitsamt, nächst, samt, zunächst, zuwider

Unglücklicherweise kennt das Feuer keine Unterschiede und so sind samt dem Hause unseres stolzen Neugriechen auch seine mehr als 300 armen Tiere eingeäschert worden.

  • aus Angst vor/um etwas (= Grund, Anlass, Ursache)
  • vor Angst um etwas (=Beweggrund, Ursache)

Meiner Meinung nach wäre vor Angst vor auch grammatisch, aber stilistisch aufgrund der Doppelung nicht gelungen. (Wie seht ihr das eigentlich?)

Einige meiner Bekannten baten, nachdem ihr Haus abgebrannt war, ihre Nachbarn nachdrücklich aus Angst vor Bränden, ihre Grundstücke von Trockenlaub zu befreien.

Wie ich bereits im vorigen Beitrag erwähnt habe, ist es auffällig, dass wenn wir uns beim Übersetzen auf die Lösung eines Problems fokussieren (hier hatte ich wahrscheinlich Probleme, die Syntax des griechischen Satzes auf Deutsch entwirrt wiederzugeben - siehe voriger Beitrag - dieser Satz hat es echt in sich), andere Probleme nicht beachten oder während der Korrektur dann nicht mehr die Zeit dafür haben es zu tun. Also die einzige Lösung, um Fehler zu vermeiden, ist üben, üben, üben, und meiner Meinung nach zwischendurch die Fehler analysieren.

Kommen wir nun zu einigen feineren Sachen:

in vs. auf

Ich kann auf meinem Grundstück tun und lassen, was ich will!

In wäre, meines Erachtens, auch möglich, jedoch deutlich seltener.


Als Letztes behandeln wir eine gemeine Falle:
  • indirekte Rede
Ausnahmsweise sollte man bei der indirekten Rede nicht Konjunktiv I in Schrift nicht verwenden, wenn es nicht vom Indikativ zu unterscheiden ist, sondern Konjunktiv II.

Also,

Das ist damit gemeint, wenn die Leute sagen, die Griechen könnten Wunder vollbringen. (Konjunktiv II statt können Konjunktiv I und Indikativ zugleich)

aber

Das ist damit gemeint, wenn die Leute sagen, der Grieche könne Wunder vollbringen. (Konjunktiv I)

Das war 's für heute. Ich war zwar nicht sonderlich produktiv, aber ab und zu ist es nicht zu vermeiden. Gute Nacht!

Bild Neues Rathaus, Leipzig 08/08, Εικόνα Νέο Δημαρχείο, Λειψία 08/08

Kommentare:

alexgahr hat gesagt…

Ich bin mit deiner Erklärung bez. „aus/vor Angst“ im Allgemeinen zwar einverstanden, habe aber noch eine Bemerkung zu machen: Meiner Meinung nach unterscheiden sich die beiden Ausdrücke darin, dass der erste präpositional verwendet wird, also eine Präpositionalphrase nach sich zieht, während der zweite selbst eine darstellt. Beispiele:
1.a) aus Angst vor etwas/jemandem = etwas/jemand, was/der einem Angst macht: Aus Angst (davor) (= weil sie Angst davor hatte) , ihre Arbeit zu verlieren, brachte sie vorsichtshalber gleich ihre Chefin um.
1.b) aus Angst um jemanden = Angst, dass einer (geliebten) Person etwas zustoßen könnte: Aus Angst um seine Kinder ließ er sie gar nicht mehr von zu Hause weg.
2. vor Angst: Er zitterte/bibberte vor Angst.
Aufgrund der unterschiedlichen Verwendungsweisen dieser Ausdrücke wäre die Kombination „vor Angst vor“ rein vom Sinn her schwierig.

Eleni hat gesagt…

Hallo Alex nochmal!

Du meinst, um dich besser zu verstehen, dass die Verwendung "vor Angst um seine Kinder" auch nicht möglich wäre? Und ebenfalls nicht möglich wäre "sie zitterte aus Angst". Habe ich es richtig verstanden?

Wenn ja, das wäre auf jeden Fall genau das Gegenteil von dem, was du sagst: "vom Sinn her" wäre es möglich, jedoch ungrammatisch.

Und das letzte Mal für heute ganz liebe Grüße aus Pedregalejo.

Man liest sich!

e.

Eleni hat gesagt…

Hallo Alex nochmal!

Ich habe gerade in Ruhe deinen Kommentar gelesen und denke, dass du auf keinem Fall das meinen kannst, was ich dachte. Was meinst du also?

Denn:

aus Angst um

und

vor Angst um

sind beide genau gleich gültig.

Liebe Grüße aus Malaga

e.

alexgahr hat gesagt…

Entschuldigung, habe jetzt erst entdeckt, dass du hier antwortest. Das ist schon echt ein schwieriges Thema mit den Präpositionen!
Erst einmal muss ich sagen, dass ich hier nur meine Meinung geäußert habe, und keine Regeln gesetzt (das kann nämlich niemand). Zweitens wollte ich bloß versuchen, eine Regel für die Verwendung des jeweiligen Ausdrucks zu schließen und zu formulieren. Das heißt jedoch nie, dass es andersherum nicht möglich wäre.
Nun zu deinem ersten Kommentar: Nein, das meine ich nicht. Vor allem, weil es bei einer lebendigen Sprache kein ,,unmöglich" gibt, da tatsächlich alles möglich ist, was ein Muttersprachler hervorbringt. An meine erste Erklärung anknüpfend würde ich ,,sie zitterte aus Angst" sagen, wenn sich von selbst versteht, dass sie aus einer bestimmten Angst heraus zittert, während ,,vor Angst" meiner Meinung nach nur aussagt, dass sie zittert, weil sie Angst hat, nicht weil ihr kalt ist.
Wie du sagst, hast du mich nach dem zweiten Mal Lesen besser verstanden. Bez. der synonymen Ausdrücke bin ich einverstanden; ich habe lediglich versucht zu erklären, warum ich den ersten Ausdruck und nicht den zweiten verwenden würde.

Eleni hat gesagt…

Kein Thema, du brauchst nicht dich zu entschuldigen. Ok, ich glaube, jetzt ist es auch für mich klar, was du meintest. Danke für die (Er-)klärung.

Καλές γιορτές

Ελένη