08.06.2007

Beispielhaft

Es ist verdammt schwer Beispiele für linguistische Arbeiten zu finden, daher denke ich, benutzen so viele AutorInnen, immer die selben eher öden Beispiele. In der Satzsemantik und an der Arbeit, an der ich sitze, bin ich gerade nur am Stolpern, und das weil ohne passende Beispiele meine Bemerkungen unbelegt bleiben werden.


Ich habe meinen Zwischen- prüfungseinstiegsvortrag (2004) in der Pragmatik ‘rausgekramt, da ich da ganz viele amüsante Beispiele zum Thema Deixis mir ausgedacht hatte.


Ich nehme gleich das allererste, um nicht lange zu suchen, was noch recht unspektakulär ist:

(1) Treffen wir uns nächsten Freitag?

Der Satzmodus spielt für die semantische Repräsentation keine Rolle und das ist richtig, schließlich ist das eine kontext- variante Information.

Also fangen wir bei dem Verbprädikat an, wie wir wissen, daran baut sich der ganze Satz auf.

Zuerst fangen wir mit einer primären radikal unterspezifizierten semantischen Form (SFB) an. Diese abstrahiert durch den Lambda-Operator all jene TREFF- Ausdrücke.

  1. treffen: SFB: λx. TREFF(x)

Das war einfach, jetzt werden wir die ganze Verbalphrase Zeile für Zeile repräsentieren. Zeit für einen schönen Operator, also, der uns die Komposition ermöglichen wird. Den schieben wir immer rein, egal was danach kommt, weil er uns Folgendes mitteilt: für quantifizierte y gilt eine ontologische Relation zwischen y und dem Ereignis, welche mit dem Prädikat junktiert sind.

  1. met1: λPλx. Q1y [S1(y,x) C1 P(y)]

So sieht jetzt die flektierte SFI, welche also das erweiterte Variationspotenzial der Bedeutung repräsentiert, welche durch Anwendung und darauf folgende Lambda-Konversion bekommen haben:

  1. treffen: λx. Q1y [S1(y,x) C1 TREFF(y)]

...

Bis hier hatte ich schon vor ein paar Tagen geschrieben und so den Durchbruch für die Hausarbeit geschafft. Ich hatte sofort mit dem Schreiben dieses Beitrags aufgehört und fieberhaft an der Hausarbeit weiter gearbeitet.

Gestern im Kolloquium kam mir die Idee, wie ich diesen Beitrag zu Ende schreiben kann. Sehr viel Kritik drehte sich um die genommenen Beispiele von Ehrich zum Thema Tempus und Aspekt, genauer genommen zum deutschen Perfekt.

Ich finde mensch sollte nicht so sehr sich an die Beispiele kleben bleiben, da sie meistens eh nur die Intuition der Linguistin widerspiegeln und sie eh sehr schwierig sind zu finden. Wer hat denn überhaupt wirklich allanerkannte passende Beispiele? Und wenn schon, sich im Kolloquium über Beispiele fast zu echauffieren, glaube ich, ist unangebracht. Es geht doch schließlich um Modelle und Erklärungen in der Semantik und nicht doch um allumfassende Gebrauchstheorien der Sprache. Nach dieser Erfahrung im Kolloquium, denke ich, werde ich nicht mehr an Beispielen kleben bleiben, sie sind sekundär, es sei denn, ich entscheide mich wirklich experimentelle Pragmatik zu machen.

Und so ist auch dieser Tag doch vielleicht nicht am produktivsten gewesen, aber gut.

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Die Powerpoint Präsentation für die Zwischenprüfung Pragmatik (2004) ist per Email verfügbar. Es handelt sich um die Ausarbeitung von Levinsons Pragmatics.

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Bild von Gerardo María Aguilar Tagle. Für mehr Bilder besucht seine Blogs. Vielen Dank. - Dibujo de Gerardo María Aguilar Tagle. Para ver más visitad sus blogs. Muchas gracias.

Kommentare:

tlacuiloco hat gesagt…

danke schön

Eleni Andrianopulu hat gesagt…

Muchas gracias a tí, Gerardo, para tu dibujo y entusiasmo.

julieta hat gesagt…

mmm... me toca quitarla. hoy lo hago. un abrazo.